Grundregeln für gute Typografie

respekt Team  •  September 26, 2014 at 12:08 pm  •  0 Comments

Typografie kurz gefasst – Grundregeln für Print und Online

Ganz einfach erklärt, beschreibt die Typografie die Gestaltung von Texten, angefangen beim allerkleinsten Detail eines Buchstabens bis zum Gesamtbild einer kompletten Seite. Ob für klassische Printmedien, Geschäftsbriefe oder das Internet, es gibt ein paar Grundsätze, die man beachten sollte. Die Gestaltungsmerkmale des Textes müssen so gewählt werden, dass ein bestmöglicher Lesefluss gewährleistet wird. Dabei ist weniger oft mehr.

 

„Typographie ist die Kunst des feinen Maßes. Ein Zuwenig und Zuschwach entfernt sie ebenso von der Meisterschaft wie ein Zuviel und Zustark.“

Kurt Weidemann

 

Schriftart und Formatierung

Generell sollten möglichst nur zwei verschiedene Schriftarten verwendet werden. Das gilt vor allem für den Webauftritt. Auch wählt man für die digitale Verwendung am besten eine Schrift ohne Serifen. Bei gedruckten Texten, insbesondere bei Fließtexten, unterstützen Serifen wiederum die Lesbarkeit, da sie dem Auge mehr Halt im Schriftbild bieten. Mit Schriftformatierungen zur Hervorhebung von Texten sollte man ebenso sparsam umgehen. Die Kursivsetzung, z. B. von Zitaten, wird häufig verwendet und ist auch sinnvoll. Andere Auszeichnungen wie fett, unterstrichen und GROSSBUCHSTABEN, sind überlegt einzusetzen. Sie bringen oft Unruhe in einen Text und stören den Lesefluss unnötig, anstatt ihn zu verbessern. Im Web sind Unterstreichungen noch aus einem anderen Grund zu vermeiden: Fast jeder Leser vermutet hinter einem unterstrichenen Wort einen Hyperlink, den man klicken kann. Und auch die Schreibung in GROSSBUCHSTABEN birgt neben der schlechten Lesbarkeit eine zusätzliche Schwierigkeit aufgrund unserer bereits etablierten Lesegewohnheiten. Verwendet man reine Großschreibung im Fließtext, fühlen sich viele Leser dadurch angeschrien, weil Großschreibung die gängige Kennzeichnung für ‘jemanden Anschreien’ im Chat ist. Also: statt Versalien und Unterstreichung lieber kursiv oder fett.

Fließtexte

Blocksätze sind zwar bei Zeitungsspalten ästhetisch und gängig, werden aber im Fließtext im Web in der Regel nicht eingesetzt. Die unterschiedlichen Wortzwischenräume erschweren den natürlichen Lesefluss. Online sind folgende Formatierungen besser geeignet: Flattersatz mit einer Zeilenbreite von 50 – 70 Zeichen, bei mehrspaltigen Texten 40 – 50 Zeichen. Die Schriftgröße sollte im Web allgemein nicht zu klein sein. Für den gedruckten Text eignet sich eine Schriftgröße von 8 – 11 pt sehr gut. Der Zeilenabstand sollte nicht so klein sein, dass sich Ober- und Unterlängen berühren, jedoch auch nicht einen so großen Abstand haben, dass der Eindruck einer Leerzeile entsteht. Bei Worttrennungen sollten man nicht mehr als drei Umbrüche hintereinander machen.

Beispiel Typografie Zeilenabstand

Zahlengliederung

Telefon- und Telefaxnummern werden in Deutschland traditionell von rechts in Zweiergruppen geteilt. Die Ortskennzahlen setzt man in Parenthesen oder trennt sie mit einem Schrägstrich ab. Nebenstellen gehören hinter ein Divis (kein Gedankenstrich) ohne Leerzeichen.
Typografie Schreibweise Telefonnummern

Mit der Einführung von IBAN und BIC gibt es natürlich auch neue Regeln zur Gliederung:
Die deutsche IBAN wird von links in fünf Vierergruppen und eine Zweiergruppe eingeteilt. Der BIC wird nicht gegliedert. Postleitzahlen werden ebenso nicht gegliedert.
Typografie Schreibweise IBAN

Häufige Fehler

Falsche An- und Abführungen
Was die Regeln für die korrekte Verwedung von An- und Abführungszeichen betrifft, so hat jedes Land seine eigenen. Das macht es im Zeitalter des Internets nicht einfacher, die richtigen Zeichen zu setzten. Es gibt aber eine einfache Merkhilfe dazu. Im Deutschen: 99 unten, 66 oben. Im Englischen ist es umgekehrt: 66 und 99, beide Zeichen sitzen oben. Immer wieder sieht man jedoch, dass fälschlicher Weise Zoll- bzw. Sekundenzeichen verwendet werden.

Genitiv- oder Plural-Apostroph, auch Deppenapostroph genannt
Was im Englischen völlig korrekt ist, gibt es in der deutschen Sprache nicht: Das apostrophierte s in der Genitivform. Trotzdem wird es gerne verwendet. Darüberhinaus sieht man hierzulande in letzter Zeit häufig die apostrophierte Pluralform. Leider komplett falsch. Ein Apostroph wird im Deutschen eingesetzt, um das Wegfallen eines s oder einer Silbe zu kennzeichen, z.B. „Wie geht’s?“ oder „Ku’damm“ und sieht aus wie eine kleine hochgestellte 9.

Schreibweise Anführungszeichen deutsch und englisch

Eszett in Versalwörtern
Bei groß geschriebenen Wörtern wird das ß durch SS ersetzt. Das ß ist ein Kleinbuchstabe und darf nicht in groß geschriebenen Wörtern verwendet werden.

Bindestrich, Gedankenstrich und bis-Zeichen
Bei der Silbentrennung und auch als Auslassungszeichen findet der Bindestrich Einsatz. Der Gedankenstrich ist etwas länger und dient als Streckenstrick und als bis-Zeichen. Natürlich wird er auch, wie sein Name sagt, als Zeichen einsetzt, um einen Einschub innerhalb eines längeren Gedankengangs einzufügen.

Es ist also gar nicht so kompliziert einen schön gesetzten Text zu gestalten. Viel Spaß beim Ausprobieren!

respekt Team

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